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EU Withdrawal Button Guide

Widerrufsbutton für Shopify: § 356a BGB Schritt für Schritt umsetzen

Seit dem 19. Juni 2026 brauchen Shopify-Shops, die an Verbraucher in Deutschland verkaufen, einen Widerrufsbutton. Was § 356a BGB und die Gesetzesbegründung zu Beschriftung, Formular, Platzierung und Eingangsbestätigung verlangen, welche zwei Wege es in Shopify gibt, was bei Fehlern droht und was in Österreich gilt.

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Auf einen Blick

  • Pflicht seit 19. Juni 2026für Shops, die an Verbraucher in Deutschland verkaufen (§ 356a BGB).
  • Zwei Buttons:„Vertrag widerrufen“ öffnet das Formular, „Widerruf bestätigen“ schickt es ab.
  • Drei Angaben: Name, Bestellung und E-Mail-Adresse. Kein Grund.
  • Eine E-Mail:unverzüglich eine Eingangsbestätigung mit Inhalt, Datum und Uhrzeit.
  • Sichtbar, ohne Login: auf jeder Seite, im Footer farblich hervorgehoben.

Was § 356a BGB verlangt

Die Pflicht zum Widerrufsbutton stammt aus Art. 11a der Verbraucherrechte-Richtlinie, den die Richtlinie (EU) 2023/2673 eingefügt hat. In Deutschland steht sie in § 356a BGB, eingefügt durch das Gesetz zur Änderung des Verbrauchervertrags- und des Versicherungsvertragsrechts sowie zur Änderung des Behandlungsvertragsrechts vom 3. Februar 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 28). Die Vorschrift gilt seit dem 19. Juni 2026 (Art. 10 Abs. 1 des Gesetzes). Der Kern:

§ 356a Abs. 1, 3 und 4 BGB im Wortlaut

(1) Bei Fernabsatzverträgen, die über eine Online-Benutzeroberfläche geschlossen werden, hat der Unternehmer sicherzustellen, dass der Verbraucher auf der Online-Benutzeroberfläche durch das Nutzen einer Widerrufsfunktion eine Widerrufserklärung abgeben kann. Die Widerrufsfunktion muss gut lesbar mit „Vertrag widerrufen“ oder einer anderen gleichbedeutenden eindeutigen Formulierung beschriftet sein. Sie muss während des Laufs der Widerrufsfrist auf der Online-Benutzeroberfläche ständig verfügbar, hervorgehoben platziert und für den Verbraucher leicht zugänglich sein.

(3) Sobald der Verbraucher die Informationen nach Absatz 2 bereitgestellt oder bestätigt hat, hat der Unternehmer dem Verbraucher zu ermöglichen, seine Widerrufserklärung und die Informationen dem Unternehmer mittels einer Bestätigungsfunktion zu übermitteln. Diese Bestätigungsfunktion muss gut lesbar und mit „Widerruf bestätigen“ oder einer anderen gleichbedeutenden eindeutigen Formulierung beschriftet sein.

(4) Der Unternehmer hat dem Verbraucher, wenn dieser die Bestätigungsfunktion aktiviert hat, auf einem dauerhaften Datenträger unverzüglich eine Eingangsbestätigung zu übermitteln, die zumindest den Inhalt der Widerrufserklärung nach Absatz 2 sowie das Datum und die Uhrzeit ihres Eingangs enthält.

Absatz 2 nennt die drei Pflichtangaben (Tabelle unten). Absatz 5 ergänzt: Wer vor Fristende über die Funktion widerruft, hat die Frist gewahrt, auch wenn du die Nachricht erst später liest. Sonst bleibt alles beim Alten: 14 Tage Frist (§ 355 Abs. 2 BGB), kein Grund nötig, und ein Widerruf per E-Mail oder Brief zählt weiterhin. Der Button ist ein zusätzlicher Weg, kein Ersatz.

Wer den Widerrufsbutton braucht

§ 356a BGB greift, wenn drei Dinge zusammenkommen:

  • Du verkaufst an Verbraucher,also an Privatpersonen (§ 13 BGB). Reine B2B-Shops sind nicht betroffen.
  • Der Vertrag kommt online zustande,über deinen Shopify-Shop, ein Headless-Frontend oder eine App, laut Gesetzesbegründung auch über die Website eines Dritten (BT-Drs. 21/1856, S. 38).
  • Es besteht ein Widerrufsrecht.§ 312g Abs. 2 BGB nimmt etwa Maßanfertigungen und schnell verderbliche Ware aus. Bei versiegelten Hygieneartikeln entfällt das Recht erst, wenn die Versiegelung nach der Lieferung entfernt wurde (Nr. 3). Ein Kosmetikshop braucht den Button also trotzdem.

Wo dein Shop seinen Sitz hat, spielt keine Rolle: Richtest du dein Angebot auf Kunden in Deutschland aus, gilt für sie in der Regel deutsches Verbraucherrecht, auch bei anderer Rechtswahl (Art. 6 Rom-I-Verordnung).

Der Ablauf: zwei Klicks, drei Pflichtangaben

Die Gesetzesbegründung beschreibt den Widerruf in zwei Schritten: erst „Vertrag widerrufen“ anklicken, dann die Angaben eingeben oder bestätigen und „Widerruf bestätigen“ drücken (BT-Drs. 21/1856, S. 38). Was ins Formular gehört und was nicht:

Pflichtangaben und typische Zusatzschritte im Widerrufsformular nach § 356a BGB.
ElementWas giltGrundlage
Button „Vertrag widerrufen“Pflicht, gut lesbar. Erlaubt ist auch eine andere gleichbedeutende eindeutige Formulierung.§ 356a Abs. 1 S. 2 BGB
NamePflichtangabe§ 356a Abs. 2 Nr. 1 BGB
Bestellnummer, bei mehreren Artikeln die AuswahlPflichtangabe. Es muss klar sein, welcher Vertrag oder welcher Teil widerrufen wird.§ 356a Abs. 2 Nr. 2 BGB; BT-Drs. 21/1856, S. 38
E-Mail-Adresse für die EingangsbestätigungPflichtangabe§ 356a Abs. 2 Nr. 3 BGB
Button „Widerruf bestätigen“Pflicht, als letzter Schritt. Danach ist kein weiteres Fenster nötig.§ 356a Abs. 3 BGB; BT-Drs. 21/1856, S. 38
WiderrufsgrundKein Pflichtfeld. Höchstens als freiwillige Angabe.§ 355 Abs. 1 S. 4 BGB
Login oder RegistrierungNicht verlangen, außer der Vertrag konnte nur mit Kundenkonto geschlossen werden.BT-Drs. 21/1856, S. 37 f.
Zwischenschritte wie FAQ, Umtauschangebot oder „Bist du sicher?“Weglassen. Die Gesetzesbegründung sieht zwei Schritte vor, und der Widerruf soll nicht aufwendiger sein als die Bestellung.BT-Drs. 21/1856, S. 37 f.

Eingeloggte Kunden sollen ihre Daten nicht neu eingeben müssen. Füll sie vor, dann bestätigen sie nur noch (BT-Drs. 21/1856, S. 38). Die Beschriftungen in anderen EU-Sprachen findest du im EU-Leitfaden zum Widerrufsbutton (Englisch).

Wo der Button im Shop hingehört

„Ständig verfügbar, hervorgehoben platziert und für den Verbraucher leicht zugänglich“ verlangt § 356a Abs. 1 BGB. Was das heißt, steht in der Gesetzesbegründung (BT-Drs. 21/1856, S. 37 f.):

  • Von jeder Unterseite aus erreichbar.Ein Link, der direkt zum Formular führt, genügt.
  • Im Footer nur mit besonderer Gestaltung:etwa Farbe oder Kontrast und eine hervorgehobene Platzierung, die den Button klar von AGB, Impressum und Ähnlichem abgrenzt.
  • Ohne Registrierung oder Login.Nur wenn der Vertrag ausschließlich mit Kundenkonto geschlossen werden konnte, reicht der Login-Bereich. Wer als Gast bestellt hat, soll ohne Anmeldung widerrufen können.
  • Pauschal für alle.Du musst nicht pro Kunde prüfen, ob die Frist noch läuft. Den Button dauerhaft zu zeigen, ist ausdrücklich in Ordnung.

Für deinen Shopify-Shop heißt das:

  • Ein Footer-Link „Vertrag widerrufen“, farblich abgesetzt, etwa als eigener Button über den Rechtstexten, in jeder Shopsprache passend beschriftet.
  • Zusätzlich ein Link im Kundenkonto und in den Vorlagen für Bestell- und Versandbestätigung.

Zwei Wege in Shopify

Weg 1: Shopifys Self-Service-Rückgaben und -Stornierungen

Seit dem 18. Juni 2026 können Kunden über die Self-Service-Rückgaben auch Stornierungen anfragen. Für das EU-Widerrufsrecht empfiehlt die Shopify-Hilfe im Shopify-Adminbereich:

  1. Unter Einstellungen > Kundenkonten die Self-Service-Rückgaben und -Stornierungen aktivieren und „Rückgabe- und Stornierungsanfragen“ wählen.
  2. Unter Einstellungen > Richtlinien die Stornierungsregeln aktivieren und das Stornierungsfenster auf „Bis der Artikel ausgeführt wird“ stellen.
  3. Dort ein Rückgabefenster von mindestens 14 Tagen festlegen und „Startet ab“ auf „Zustellung des letzten Artikels der Bestellung“ setzen.
  4. Einen sichtbaren Link setzen, etwa unter Inhalt > Menüs einen Menüpunkt zur Bestellseite in den Kundenkonten.

Das ist in Shopify eingebaut, macht deinen Shop laut Shopify aber nicht automatisch rechtskonform. Prüf die Beschriftungen, die Eingangsbestätigung mit Datum und Uhrzeit und ob ein Grund freiwillig ist. Vor allem führt der Weg über das Kundenkonto: Wer als Gast bestellt hat, muss sich erst anmelden, und das soll nach der Gesetzesbegründung grundsätzlich nicht nötig sein.

Weg 2: eine öffentliche Widerrufsseite

Der andere Weg ist ein Formular, das ohne Login funktioniert. Complimus deckt diesen Weg ab: Du bettest das Widerrufsformular in eine Seite ein oder öffnest es als Popup über einen Link im Footer, ohne Code. Auch dann gilt: Der Footer-Link muss sich sichtbar von Impressum und AGB abheben. Gastkunden nutzen das Formular ohne Anmeldung. Die Beschriftungen legst du für jede Shopsprache fest, für deutsche Shops „Vertrag widerrufen“ und „Widerruf bestätigen“. Der Kunde erhält sofort eine Eingangsbestätigung per E-Mail, mit deinem Absendernamen. Sie wiederholt Bestellung, Artikel und Nachricht sowie Datum und Uhrzeit des Eingangs. Jeder Widerruf erscheint in Complimus mit seiner Erstattungsfrist, und bei neuen Widerrufen bekommst du eine E-Mail. Das Modul ist in jedem Tarif kostenlos. Die Erstattung selbst veranlasst du wie gewohnt in Shopify. Details auf der Seite zum Widerrufsbutton.

Die Eingangsbestätigung

Nach dem Klick auf „Widerruf bestätigen“ musst du unverzüglich eine Eingangsbestätigung auf einem dauerhaften Datenträger schicken (§ 356a Abs. 4 BGB). Eine E-Mail genügt, eine Meldung nur auf dem Bildschirm nicht. Hinein gehören der Inhalt der Erklärung (Name, Bestellung, Artikel) sowie Datum und Uhrzeit des Eingangs, am besten mit Zeitzone.

Ein Tipp aus der Gesetzesbegründung: Formuliere die E-Mail als Eingangsbestätigung, nicht als Annahme. Ein Satz wie „Ihr Widerruf wird hiermit bestätigt“ kann den Eindruck erwecken, du hättest die Wirksamkeit schon geprüft. Ein Hinweis, dass die Prüfung noch aussteht, bietet sich an (BT-Drs. 21/1856, S. 38).

So kann eine Eingangsbestätigung aussehen

Betreff: Eingang Ihres Widerrufs zu Bestellung #1042

Wir haben Ihren Widerruf am 10. November 2026 um 21:14 Uhr (MEZ) erhalten. Name: Anna Schmidt. Bestellung: #1042. Artikel: 1 × Leinenhemd, Größe M. Ihre Erklärung: „Hiermit widerrufe ich den Vertrag über den oben genannten Artikel.“ Wir prüfen den Widerruf und melden uns zur Rücksendung und Erstattung.

Widerrufsbelehrung, Fristen und Erstattung

Vor dem Kauf musst du Kunden auch über „das Bestehen und die Platzierung der Widerrufsfunktion“ informieren (Art. 246a § 1 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 EGBGB). Dafür wurde Gestaltungshinweis 3 der Muster-Widerrufsbelehrung neu gefasst. Wenn du die Funktion bereitstellen musst, fügst du ein:

Gestaltungshinweis 3, Anlage 1 zum EGBGB

„Sie können Ihr Widerrufsrecht auch online unter … [Internetadresse oder anderen geeigneten Hinweis darüber eingeben, wo die Widerrufsfunktion verfügbar ist] ausüben. Wenn Sie diese Online-Funktion nutzen, übermitteln wir Ihnen auf einem dauerhaften Datenträger (z. B. durch eine E-Mail) unverzüglich eine Eingangsbestätigung mit Informationen zum Inhalt der Widerrufserklärung sowie dem Datum und der Uhrzeit ihres Eingangs.“

Das ist mehr als eine Formsache. Nach § 356 Abs. 3 BGB beginnt die Widerrufsfrist erst, wenn du nach dieser Vorschrift belehrt hast. Fehlt der Hinweis auf die Funktion, riskierst du, dass die Frist nicht anläuft. Das Widerrufsrecht erlischt dann spätestens zwölf Monate und 14 Tage nach Erhalt der Ware (§ 356 Abs. 4 BGB). Ergänze den Satz mit der Adresse deiner Widerrufsseite überall, wo deine Widerrufsbelehrung steht, etwa in den Rechtstexten unter Einstellungen > Richtlinien. Nimm außerdem das Formular in die Datenschutzerklärung auf (Art. 13 DSGVO).

Rechenbeispiel

Lieferung am Donnerstag, 5. November 2026. Der Liefertag zählt nicht mit, die Widerrufsfrist endet mit Ablauf von Donnerstag, 19. November (§§ 187, 188 BGB). Endet sie an einem Wochenende oder Feiertag, zählt der nächste Werktag (§ 193 BGB).

Am Dienstag, 10. November, um 21:14 Uhr widerruft die Kundin über den Button. Die 14 Tage für die Erstattung laufen ab Zugang des Widerrufs (§ 355 Abs. 3 S. 2, § 357 Abs. 1 BGB). Du erstattest also bis Dienstag, 24. November, einschließlich der Standardversandkosten und mit demselben Zahlungsmittel (§ 357 Abs. 2 und 3 BGB). Hast du keine Abholung angeboten, darfst du warten, bis die Ware zurück ist oder die Kundin die Rücksendung nachweist (§ 357 Abs. 4 BGB).

Was ohne Widerrufsbutton droht

  • Abmahnung nach dem UWG.Ein Verstoß gegen § 356a BGB kann als Rechtsbruch nach § 3a UWG abgemahnt werden. Abmahnen dürfen Mitbewerber, eingetragene Wirtschafts- und Verbraucherverbände sowie Kammern (§ 8 Abs. 3 UWG). Folgen: Unterlassungserklärung mit Vertragsstrafe und Abmahnkosten.
  • Unterlassungsklage nach dem UKlaG.Die BGB-Vorschriften für Fernabsatzverträge sind Verbraucherschutzgesetze im Sinne von § 2 Abs. 2 Nr. 1 UKlaG.
  • Längeres Widerrufsrecht,wenn die Belehrung den Hinweis auf die Funktion nicht enthält (siehe oben).
  • Bußgeld, aber nur in besonderen Fällen.Art. 246e § 1 Abs. 2 Nr. 14a EGBGB erfasst eine fehlende oder mangelhafte Widerrufsfunktion und eine fehlende Eingangsbestätigung. Möglich sind bis 50.000 €, bei mehr als 1,25 Mio. € Jahresumsatz bis 4 % des Umsatzes in den betroffenen EU-Staaten. Das gilt aber nur für weitverbreitete Verstöße und nur im Rahmen einer koordinierten Durchsetzungsmaßnahme nach Art. 21 der Verordnung (EU) 2017/2394, durch das Bundesamt für Justiz (Art. 246e § 2 EGBGB). Für einen einzelnen Shop liegt das praktische Risiko eher bei der Abmahnung.

Checkliste für deinen Shopify-Shop

Widerrufsbutton nach § 356a BGB: Checkliste

  1. Prüfen, welche Produkte ein Widerrufsrecht haben (§ 312g Abs. 2 BGB).
  2. Link „Vertrag widerrufen“ auf jeder Seite, im Footer farblich abgesetzt.
  3. Formular ohne Login, auch für Gastbestellungen.
  4. Pflichtangaben: Name, Bestellung, bei Bedarf Artikel, E-Mail-Adresse. Grund nur freiwillig.
  5. Abschlussbutton „Widerruf bestätigen“, keine Zwischenschritte.
  6. Automatische Eingangsbestätigung mit Inhalt, Datum, Uhrzeit und Zeitzone.
  7. Widerrufsbelehrung nach Gestaltungshinweis 3 ergänzen, Datenschutzerklärung prüfen.
  8. Links im Kundenkonto und in den Bestell-E-Mails.
  9. Erstattung binnen 14 Tagen ab Zugang, mit demselben Zahlungsmittel.
  10. Ablauf als Gast testen, auf Smartphone und Desktop, und die Eingangsbestätigung lesen.

Österreich: § 13a FAGG

In Österreich ist die Funktion seit 1. Oktober 2026 Pflicht, für Verträge, die nach dem 30. September 2026 geschlossen werden (§ 20 Abs. 5 FAGG, BGBl. I Nr. 59/2026). Das FAGG spricht vom Rücktritt, die Beschriftungen sind aber dieselben: „Vertrag widerrufen“ und „Widerruf bestätigen“ oder eine entsprechende eindeutige Formulierung (§ 13a Abs. 2 und 4 FAGG), dazu eine Eingangsbestätigung mit Inhalt, Datum und Uhrzeit (Abs. 5). Fehlt eine passende Rücktrittsfunktion, sieht § 19 Abs. 1 Z 6a FAGG eine Verwaltungsstrafe bis 1.450 € vor.

Häufige Fragen

Ab wann gilt die Pflicht zum Widerrufsbutton?

In Deutschland seit dem 19. Juni 2026, dem Tag, an dem § 356a BGB in Kraft trat (Art. 10 Abs. 1 des Gesetzes vom 3. Februar 2026, BGBl. 2026 I Nr. 28). Sie gilt für Fernabsatzverträge mit Verbrauchern über eine Website oder App. In Österreich gilt § 13a FAGG für Verträge ab 1. Oktober 2026.

Reicht ein Link „Widerruf“ oder „Retoure“ im Footer?

Darauf solltest du dich nicht verlassen. Das Gesetz verlangt „Vertrag widerrufen“ oder eine gleichbedeutende eindeutige Formulierung (§ 356a Abs. 1 BGB), und „Retoure“ beschreibt die Rücksendung, nicht die Erklärung. Im Footer muss sich der Link zudem klar von AGB und Impressum abheben, etwa durch Farbe oder Kontrast und eine hervorgehobene Platzierung (BT-Drs. 21/1856, S. 37).

Dürfen Kunden zum Widerrufen erst ins Kundenkonto müssen?

Grundsätzlich nein. Nach der Gesetzesbegründung genügt der Login-Bereich nur, wenn der Vertrag ausschließlich mit Kundenkonto geschlossen werden konnte (BT-Drs. 21/1856, S. 37 f.). Erlaubt dein Shopify-Shop Gastbestellungen, brauchst du einen Weg ohne Login, etwa ein öffentliches Widerrufsformular.

Brauche ich den Widerrufsbutton auch bei B2B-Verkäufen oder Maßanfertigungen?

Nicht, wenn kein Widerrufsrecht besteht. § 356a BGB betrifft nur Verträge mit Verbrauchern (§ 13 BGB), und für Maßanfertigungen und schnell verderbliche Ware gibt es kein Widerrufsrecht (§ 312g Abs. 2 Nr. 1 und 2 BGB). Verkaufst du daneben normale Ware an Privatkunden, brauchst du den Button für diese Bestellungen.

Ich habe schon einen Kündigungsbutton. Reicht der?

Nein. Der Kündigungsbutton „Verträge hier kündigen“ nach § 312k BGB beendet laufende Verträge wie Abos. Der Widerrufsbutton nach § 356a BGB macht einen Vertrag innerhalb der Widerrufsfrist rückgängig. Verkaufst du Abos über deinen Shop, brauchst du in der Regel beide.

Was droht, wenn mein Shop keinen Widerrufsbutton hat?

Vor allem Abmahnungen nach dem UWG und Unterlassungsklagen nach dem UKlaG. Fehlt in der Widerrufsbelehrung der Hinweis auf die Funktion, kann das Widerrufsrecht bis zu zwölf Monate und 14 Tage nach Erhalt der Ware bestehen (§ 356 Abs. 3 und 4 BGB). Bußgelder bis 50.000 € oder 4 % des Jahresumsatzes sieht Art. 246e EGBGB nur für weitverbreitete Verstöße in koordinierten EU-Verfahren vor.

Weiterführendes

Stand: 27. Oktober 2026. Dieser Leitfaden ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.

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