Auf einen Blick
- Pflicht für dich:Du musst über das Muster-Widerrufsformular aus der Anlage 2 zum EGBGB informieren (Art. 246a § 1 Abs. 2 EGBGB).
- Freiwillig für den Kunden:Eine eindeutige E-Mail oder ein Brief reicht (§ 355 Abs. 1 BGB).
- Nicht dasselbe wie der Widerrufsbutton:Seit dem 19. Juni 2026 brauchst du zusätzlich die Widerrufsfunktion nach § 356a BGB.
- In Shopify: Formular unter die Widerrufsbelehrung in den Richtlinien, als PDF zum Download und als Text in die Bestellbestätigung.
Das Muster-Widerrufsformular im Wortlaut
Das Muster steht in der Anlage 2 zum Einführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuche (EGBGB). Es ist kurz und lautet in der aktuellen Fassung, wie sie auf gesetze-im-internet.de steht:
Anlage 2 zu Art. 246a § 1 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 und § 2 Abs. 2 Nr. 2 EGBGB
Muster-Widerrufsformular
(Wenn Sie den Vertrag widerrufen wollen, dann füllen Sie bitte dieses Formular aus und senden Sie es zurück.)
- An [hier ist der Name, die Anschrift und die E-Mail-Adresse des Unternehmers durch den Unternehmer einzufügen]:
- Hiermit widerrufe(n) ich/wir (*) den von mir/uns (*) abgeschlossenen Vertrag über den Kauf der folgenden Waren (*)/die Erbringung der folgenden Dienstleistung (*)
- Bestellt am (*)/erhalten am (*)
- Name des/der Verbraucher(s)
- Anschrift des/der Verbraucher(s)
- Unterschrift des/der Verbraucher(s) (nur bei Mitteilung auf Papier)
- Datum
(*) Unzutreffendes streichen.
Den Platzhalter in der ersten Zeile füllst du aus: Name, Anschrift und E-Mail-Adresse deines Unternehmens, wie im Impressum. Alles andere füllt der Kunde aus. Für einen Shop, der nur Waren verkauft, kann die erste Zeile so aussehen:
Ausgefüllte erste Zeile (Beispiel)
An Beispiel GmbH, Musterstraße 1, 10115 Berlin, widerruf@beispiel-shop.de:
Pflicht für dich, freiwillig für den Kunden
Viele Händler verwechseln zwei Dinge. Du musst das Formular anbieten. Der Kunde muss es nicht benutzen.
Deine Pflicht folgt aus Art. 246a § 1 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 EGBGB. Steht dem Kunden ein Widerrufsrecht zu, informierst du ihn über „die Bedingungen, die Fristen und das Verfahren für die Ausübung des Widerrufsrechts nach § 355 Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs sowie das Muster-Widerrufsformular in der Anlage 2“. Diese Information schuldest du, bevor er bestellt (Art. 246a § 4 Abs. 1 EGBGB). Wie du die Belehrung selbst formulierst, steht im Leitfaden zur Muster-Widerrufsbelehrung.
Für den Kunden gilt dagegen § 355 Abs. 1 S. 2 bis 4 BGB:
§ 355 Abs. 1 S. 2 bis 4 BGB im Wortlaut
Der Widerruf erfolgt durch Erklärung gegenüber dem Unternehmer. Aus der Erklärung muss der Entschluss des Verbrauchers zum Widerruf des Vertrags eindeutig hervorgehen. Der Widerruf muss keine Begründung enthalten.
Die Muster-Widerrufsbelehrung in der Anlage 1 sagt dem Kunden genau das: Er kann das beigefügte Muster-Widerrufsformular verwenden, „das jedoch nicht vorgeschrieben ist“. Ein Widerruf per E-Mail mit dem Satz „Ich widerrufe meine Bestellung #1042“ reicht also aus.
Lässt du das Formular weg, hat das Folgen: Nach § 356 Abs. 3 BGB beginnt die Widerrufsfrist nicht, bevor du nach Art. 246a § 1 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 EGBGB informiert hast. Das Widerrufsrecht erlischt dann erst zwölf Monate und 14 Tage nach Erhalt der Ware (§ 356 Abs. 4 BGB). Wie die Frist normalerweise läuft, zeigt der Leitfaden zur Widerrufsfrist von 14 Tagen.
Widerrufsformular oder Widerrufsbutton?
Seit dem 19. Juni 2026 verlangt § 356a BGB von Online-Shops eine Widerrufsfunktion, beschriftet mit „Vertrag widerrufen“ und abgeschlossen mit „Widerruf bestätigen“. Sie ersetzt das Muster-Widerrufsformular nicht. Art. 246a § 1 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 EGBGB nennt beides nebeneinander: das Muster-Widerrufsformular „sowie gegebenenfalls“ das Bestehen und die Platzierung der Widerrufsfunktion. Die Unterschiede:
| Muster-Widerrufsformular | Widerrufsfunktion (Button) | |
|---|---|---|
| Grundlage | Anlage 2 zum EGBGB, Art. 246a § 1 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 EGBGB | § 356a BGB, seit dem 19. Juni 2026 |
| Pflicht für dich | Ja, bei Fernabsatzverträgen mit Widerrufsrecht musst du darüber informieren. | Ja, bei Fernabsatzverträgen über eine Online-Benutzeroberfläche. |
| Pflicht für den Kunden | Nein, „nicht vorgeschrieben“ (Anlage 1) | Nein, auch E-Mail oder Brief bleiben wirksam. |
| Form | Text zum Ausfüllen, per Post oder E-Mail zurück | Funktion im Shop: „Vertrag widerrufen“, dann „Widerruf bestätigen“ |
| Unterschrift | Nur bei Mitteilung auf Papier | Keine |
| Eingangsbestätigung | Keine gesetzliche Pflicht, wenn der Kunde per Post oder E-Mail widerruft | Pflicht, unverzüglich, mit Inhalt, Datum und Uhrzeit (§ 356a Abs. 4 BGB) |
Daneben gibt es eine dritte, freiwillige Variante: Nach § 356 Abs. 1 BGB kannst du Kunden das Muster-Widerrufsformular oder eine andere eindeutige Widerrufserklärung auf deiner Webseite ausfüllen und übermitteln lassen. Dann musst du den Zugang des Widerrufs „unverzüglich auf einem dauerhaften Datenträger“ bestätigen. Alle Details zum Button stehen im Leitfaden Widerrufsbutton für Shopify.
So bietest du das Formular in Shopify an
Das Formular sollte an drei Stellen stehen: in der Widerrufsbelehrung, als Download und in der Bestellbestätigung.
1. Unter der Widerrufsbelehrung in den Richtlinien
- Im Shopify-Adminbereich zu Einstellungen > Richtlinien gehen.
- Im Abschnitt „Schriftliche Richtlinien“ die Rückgabebedingungen öffnen, in denen deine Widerrufsbelehrung steht.
- Ist „Automatisierte Richtlinie verwenden“ aktiviert, die Option deaktivieren. Sonst kannst du den Text nicht selbst pflegen.
- Das Muster-Widerrufsformular unter die Belehrung setzen und speichern.
Shopify verlinkt die Richtlinien standardmäßig in der Checkout-Fußzeile. Direkt erreichbar ist die Seite unter /policies/refund-policy. Unter Inhalt > Menüs kannst du sie zusätzlich in dein Footer-Menü aufnehmen. Hast du Produkte ohne Widerrufsrecht im Sortiment, gehört der Hinweis darauf in denselben Text, siehe Ausnahmen vom Widerrufsrecht.
2. Als PDF zum Download
Manche Kunden möchten das Formular ausdrucken. Lade eine PDF unter Inhalt > Dateien hoch, kopiere über den Button „Link“ neben der Datei die Adresse und setze den Link unter das Formular in der Widerrufsbelehrung. Die PDF enthält denselben Text, mit deinen Daten in der ersten Zeile.
3. In der Bestellbestätigung
Nach § 312f Abs. 2 BGB schickst du nach dem Kauf eine Vertragsbestätigung auf einem dauerhaften Datenträger, spätestens bei Lieferung. Sie muss die Angaben nach Art. 246a EGBGB enthalten, also auch Belehrung und Formular, außer du hast sie dem Kunden schon vor Vertragsschluss auf einem dauerhaften Datenträger gegeben. Ein dauerhafter Datenträger muss geeignet sein, die Erklärung „unverändert wiederzugeben“ (§ 126b BGB). Ein Link auf deine Shopseite, die du jederzeit ändern kannst, ist deshalb riskant. Sicherer ist der Text in der E-Mail selbst:
- Im Shopify-Adminbereich zu Einstellungen > Benachrichtigungen gehen.
- „Benachrichtigungen an Kund:innen“ und dann „Bestellbestätigung“ öffnen.
- Auf „Code bearbeiten“ klicken und Widerrufsbelehrung und Muster-Widerrufsformular am Ende des E-Mail-Textkörpers (HTML) einfügen.
- Speichern und über „Test-E-Mail senden“ prüfen, wie die E-Mail ankommt.
Den Link zur PDF kannst du zusätzlich in die E-Mail setzen, als Service für Kunden, die ausdrucken wollen.
4. Zusätzlich: die Widerrufsfunktion
Formular und Belehrung decken die Pflicht nach § 356a BGB nicht ab. Dafür brauchst du eine Widerrufsfunktion im Shop. Complimus fügt deinem Shopify-Shop ein Online-Widerrufsformular hinzu, eingebettet in eine Seite oder als Popup über einen Footer-Link, ohne Code. Gastkunden nutzen es ohne Anmeldung. Der Kunde erhält sofort eine Eingangsbestätigung per E-Mail mit Bestellung, Artikeln sowie Datum und Uhrzeit des Eingangs, und du siehst jeden Widerruf mit seiner Erstattungsfrist. Das Modul ist in jedem Tarif kostenlos. Das Muster-Widerrufsformular aus der Anlage 2 erstellt Complimus nicht. Das stellst du wie oben beschrieben selbst bereit.
Häufige Fehler
- Das Formular fehlt ganz.Manche Shops haben nur eine Belehrung. Dann beginnt die Widerrufsfrist nicht (§ 356 Abs. 3 BGB).
- Der Platzhalter bleibt stehen. „[hier ist der Name, die Anschrift und die E-Mail-Adresse des Unternehmers … einzufügen]“ muss durch deine Daten ersetzt werden, mit einer E-Mail-Adresse, die auch gelesen wird.
- Das Formular wird zur Pflicht gemacht.Sätze wie „Widerrufe nur mit beiliegendem Formular“ widersprechen § 355 Abs. 1 BGB und der Muster-Belehrung.
- Zusätzliche Pflichtfelder.Widerrufsgrund, Kundennummer oder Retourennummer haben im Muster nichts zu suchen. Einen Grund muss der Kunde nicht nennen (§ 355 Abs. 1 S. 4 BGB).
- Retourenschein statt Widerrufsformular. Ein Rücksendeschein regelt den Versand, er ist nicht das Muster aus der Anlage 2.
- Nur ein Link in der Bestellbestätigung.Setz den Text in die E-Mail (§ 312f Abs. 2, § 126b BGB).
- Formular und Button verwechselt.Eine PDF zum Download ist keine Widerrufsfunktion nach § 356a BGB, und der Button ersetzt das Formular nicht.
Häufige Fragen
Muss ich das Muster-Widerrufsformular in meinem Shop anbieten?
Muss der Kunde das Widerrufsformular benutzen?
Ersetzt der Widerrufsbutton das Muster-Widerrufsformular?
Darf ich das Muster-Widerrufsformular verändern?
Reicht ein Link zum Formular in der Bestellbestätigung?
Erstellt Complimus das Muster-Widerrufsformular für mich?
Weiterführendes
- Widerrufsbutton für Shopify: § 356a BGB Schritt für Schritt
- Widerrufsbelehrung Muster für Shopify
- Widerrufsfrist 14 Tage: Beginn, Ende, Rechenbeispiele
- Ausnahmen vom Widerrufsrecht (§ 312g Abs. 2 BGB)
Stand: 4. November 2026. Dieser Leitfaden ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.
