Wer mit Shopify an Verbraucher in Deutschland verkauft, muss 2026 mehr EU-Recht umsetzen als je zuvor: zwei neue Pflichten seit Juni und September 2026, dazu die Preisregeln der Omnibus-Richtlinie und die Produktsicherheitsverordnung GPSR. Diese Seite ordnet alle Pflichten in einer Übersicht, erklärt jedes Thema in einem Absatz und führt zu den ausführlichen deutschen Leitfäden mit Gesetzestext, Beispielen und Umsetzung in Shopify.
Die Pflichten auf einen Blick
- Preisangaben: niedrigster Gesamtpreis der letzten 30 Tage bei jeder Preisermäßigung (§ 11 PAngV, seit 28. Mai 2022).
- Produktsicherheit: Hersteller, verantwortliche Person in der EU, Produktidentifikation und Warnhinweise auf jeder Produktseite (Art. 19 GPSR, seit 13. Dezember 2024).
- Gesetzliche Gewährleistung: die amtliche EU-Mitteilung vor der Bestellung (Art. 246a EGBGB, seit 27. September 2026).
- Widerruf: Widerrufsbutton im Shop (§ 356a BGB, seit 19. Juni 2026), Widerrufsbelehrung und Muster-Widerrufsformular, 14 Tage Widerrufsfrist.
- Kundenbewertungen: Hinweis, ob und wie du die Echtheit prüfst (§ 5b Abs. 3 UWG, seit 28. Mai 2022).
Den Stand der Umsetzung in allen 27 EU-Ländern, etwa zum Widerrufsbutton und zur Gewährleistungsmitteilung, zeigt unser EU-Regel-Tracker (auf Englisch).
Preisangaben und 30-Tage-Tiefstpreis (PAngV)
Die Preisangabenverordnung setzt die Omnibus-Richtlinie (EU) 2019/2161 in Deutschland um. Wer einen Streichpreis, ein Prozentzeichen oder das Wort „Sale“ zeigt, kündigt eine Preisermäßigung an und muss nach § 11 PAngV den niedrigsten Gesamtpreis der letzten 30 Tage vor der Ermäßigung angeben. Die Streichpreise der Shopify-Themes sind solche Ankündigungen.
- Preisangabenverordnung (PAngV) für Shopify-Händler: alle Pflichten der Verordnung im Überblick.
- 30-Tage-Tiefstpreis berechnen: drei Rechenbeispiele mit Datum und Eurobeträgen, Sonderfälle und der Unterschied zum Vergleichspreis in Shopify.
- Black Friday und PAngV: für einen Sale am 27. November 2026 zählt der niedrigste Preis vom 28. Oktober bis 26. November, dazu Rabattstufen, Rabattcodes und UVP-Vergleiche.
Produktsicherheit (GPSR)
Seit dem 13. Dezember 2024 gilt die Verordnung (EU) 2023/988 über die allgemeine Produktsicherheit unmittelbar in allen Mitgliedstaaten, ohne nationales Umsetzungsgesetz (Art. 52). Für einen Shopify-Shop heißt das: Prüfpflichten als Händler, Pflichtangaben auf jeder Produktseite und eine direkte Kundeninformation bei jedem Rückruf. Für jedes Verbraucherprodukt muss ein in der EU niedergelassener Wirtschaftsakteur die Verantwortung tragen, und seine Daten müssen im Online-Angebot stehen.
- Produktsicherheit im Shopify-Shop: wer betroffen ist, welche Pflichten Händler haben, wie Rückrufe ablaufen.
- GPSR-Herstellerangaben nach Art. 19: was auf jeder Produktseite stehen muss und warum die Warnhinweise auf Deutsch sein müssen.
- Verantwortliche Person nach Art. 16 GPSR: wer das bei deinen Produkten ist und was Behörden prüfen.
Gesetzliche Gewährleistung: das EU-Gewährleistungslabel
Seit dem 27. September 2026 muss jeder Shop, der Waren an Verbraucher verkauft, vor der Bestellung die harmonisierte EU-Mitteilung zur gesetzlichen Gewährleistung zeigen, farbig und unverändert (Art. 246a EGBGB). Das GARAN-Label kommt dazu, wenn der Hersteller kostenlos eine Haltbarkeitsgarantie von mehr als zwei Jahren auf die ganze Ware gibt.
- EU-Gewährleistungslabel und GARAN-Label: was drinsteht, wo es im Shop hingehört und was in Österreich gilt.
Widerrufsrecht und Widerrufsbutton
Seit dem 19. Juni 2026 brauchen Shops, die über eine Website oder App an Verbraucher in Deutschland verkaufen, einen Widerrufsbutton (§ 356a BGB): eine gut sichtbare Funktion mit der Beschriftung „Vertrag widerrufen“, ein kurzes Formular und eine Eingangsbestätigung mit Datum und Uhrzeit. Die bekannten Pflichten bleiben: die Widerrufsbelehrung, das Muster-Widerrufsformular und die Frist von 14 Tagen. Fehlt eine korrekte Belehrung, beginnt die Frist nicht, und das Widerrufsrecht erlischt spätestens zwölf Monate und 14 Tage nach dem regulären Fristbeginn.
- Widerrufsbutton für Shopify: § 356a BGB Schritt für Schritt, Beschriftung, Platzierung ohne Login, Eingangsbestätigung, Österreich.
- Widerrufsbelehrung Muster: der amtliche Mustertext nach Anlage 1 zum EGBGB in der Fassung 2026 mit dem neuen Hinweis auf die Widerrufsfunktion.
- Muster-Widerrufsformular: warum du es anbieten musst, der Kunde es aber nicht benutzen muss.
- Widerrufsfrist 14 Tage: Beginn und Ende bei Ware, Teillieferungen, Abos und Downloads, mit Rechenbeispielen aus dem Weihnachtsgeschäft 2026.
- Ausnahmen vom Widerrufsrecht: die Fälle in § 312g Abs. 2 BGB und typische Abmahnfehler.
Kundenbewertungen (UWG)
Wer Kundenbewertungen zeigt, muss sagen, ob und wie er prüft, dass sie von echten Käufern stammen (§ 5b Abs. 3 UWG). Gefälschte Bewertungen und ein „Verifizierter Kauf“ ohne Prüfverfahren sind ausnahmslos verboten (Nr. 23b und 23c des Anhangs zum UWG).
- Kundenbewertungen richtig kennzeichnen: Pflichttext, Urteile und eine Vorlage für den Hinweistext.
In welcher Reihenfolge du vorgehst
Vor dem Black Friday zuerst die Preise: Ein Streichpreis ohne korrekten 30-Tage-Tiefstpreis ist im Rabattgeschäft ein typischer Abmahngrund. Danach die beiden Pflichten, die 2026 neu sind, der Widerrufsbutton und die Gewährleistungsmitteilung, weil viele Shops sie noch nicht haben. Die GPSR-Angaben pflegst du am besten einmal je Hersteller und weist sie den Produkten zu. Der Bewertungshinweis ist in einer Stunde geschrieben.
Complimus setzt vier dieser Regeln in Shopify um: den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage, die GPSR-Angaben, die EU-Gewährleistungsmitteilung und den Widerrufsbutton (Überblick unter Funktionen). Die englischsprachigen Leitfäden zu denselben Themen in weiteren EU-Ländern findest du unter EU compliance guides und Omnibus guides.
Häufige Fragen
Welche EU-Regeln muss ein Shopify-Shop in Deutschland 2026 umsetzen?
Gelten diese Regeln auch für Shops außerhalb Deutschlands?
Was droht bei Verstößen?
Ist der Vergleichspreis in Shopify der 30-Tage-Tiefstpreis?
Stand: 6. November 2026. Diese Übersicht ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Gesetzestexte und Quellen findest du in den verlinkten Leitfäden.
